Ich packe meinen Koffer und nehme mit … Sicherheit

„Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“ – ein Satz, den wir alle bereits wahrscheinlich so häufig gelesen und durch Lautsprecheransagen gehört haben, dass er bei den meisten von uns ins linke Ohr reingeht und aus dem rechten direkt wieder rauskommt.

Natürlich lassen wir unser Gepäck nicht aus den Augen, oder? Immerhin ist dessen Inhalt nicht nur unser persönlicher Besitz, sondern auch ziemlich wichtig für unseren Zielort – sei es Urlaub, Arbeit oder zuhause. Niemand verliert gern und absichtlich Dinge, erst recht nicht so etwas Fundamentales wie seinen Reisekoffer.

Selbstverständlich. Und trotzdem passiert es immer wieder. Diebe sind trickreich genug, um sich den kleinsten Moment der Unachtsamkeit auszusuchen und die Tasche, den Rucksack, den Koffer zu entwenden. Ein Augenblick fehlender Konzentration und weg ist das Gepäck.

Diebstähle nehmen wieder zu

Nach einer zu erwartenden Abnahme von gemeldeten Taschendiebstählen in Deutschland während der Covid-Pandemie nahmen sie im Jahr 2022 wieder Fahrt auf und waren auf ähnlichem Niveau wie im Jahr 2018. 98.512 polizeilich gemeldete Fälle von Taschendiebstahl sind im letzten Jahr aufgenommen worden.

Das beinhaltet zwar nicht nur Reisekoffer und Rucksäcke, zeigt aber deutlich, wie geschickt und skrupellos Verbrecher vorgehen können – und geschäftige Orte wie Bahnhöfe oder Flughäfen sind weiterhin zwei der beliebtesten Tatorte.

Zudem kommt beim Diebstahl weder die Fluggesellschaft noch der Flughafen für das Verschwinden auf – anders als beim Kofferverlust verschuldet durch die Airline selbst. Erst im November 2022 gab es hier einen Präzedenzfall, bei dem das Landesgericht Frankfurt auf das Montrealer Übereinkommen verwies und den Opfern eines Kofferdiebstahls keinen Schadensersatz zugesprochen hat. Und das, obwohl der Diebstahl zwischen der Entladung des Flugzeugs und dem Einspeisen in die Gepäckhalle passierte – also an einem nicht öffentlich zugänglichen Sicherheitsbereich.

Wie kann man den Koffer am besten vorbereiten?

Grundsätzlich versuchen Diebe, sich die einfachsten Opfer auszusuchen. Denn wo am wenigsten Aufmerksamkeit oder Widerstand erwartet werden kann, werden die besten Ergebnisse erzielt. Das gilt auch beim Taschendiebstahl und vor allem dort, wo es sich um größere Dinge wie Handgepäck oder sogar noch größere Koffer handelt.

Vor allem sehr simple und häufig vorkommende Designs der Behälter, idealerweise in gedeckten Farben wie Schwarz, Grau oder Dunkelblau sind beliebt. Warum? Genau deswegen – weil sie so beliebt sind. Jeder, der schon einmal auf seinen schwarzen Koffer am Gepäckband gewartet hat, weiß das. Je häufiger die Farbe vertreten, umso einfacher ist es, den Koffer als den eigenen auszugeben und aus der Masse herauszuschmuggeln.

Wer den Blick der Diebe also von sich abwenden will, der deckt sich also mit Reisekoffern ein, die dem genauen Gegenteil entsprechen: Bunt, individuell und herausstechend. Knallige Farben sind besonders gut und haben als zusätzlichen Bonuspunkt noch, dass sie bei der Gepäckausgabe einfach selbst identifiziert werden können.

Auffällige Anhänger und Aufkleber bieten Sicherheit

Auch auffällige Anhänger oder Aufkleber sind großartige Identifikationshelfer. Vorsicht allerdings bei Adressetiketten! Die sind zwar im Falle eines Gepäckverlustes, vor allem dann, wenn der Aufkleber der Fluggesellschaft entfernt wurde, wahnsinnig wertvoll – aber nirgendwo sonst. Sind Ihr Name und Ihre Adresse offen sichtbar, machen sich das nämlich nicht unbedingt Taschendiebe, sondern Einbrecher auf der Suche nach potenziellen Häusern und Wohnungen zunutze.

Viele Reisende verzichten außerdem auf einen festen Verschluss des Koffers. Die meisten Habseligkeiten sind also nur einen geschlossenen Reißverschluss von potenziellem Diebstahl entfernt. Das Anbringen eines klassischen Schlüssel- oder Zahlenschlosses kann hier schon genug sein, um von seinem Koffer abzulenken.

Es hilft auch, sich im Vorhinein bewusst zu machen, welche Gegenstände im Koffer mitgeführt werden dürfen – vor allem an so strikten Kontrollen wie dem Check-In des Flughafens. Je geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihren Koffer öffnen lassen müssen, umso weniger Einblick bekommen Umstehende und Personal in Ihre persönlichen Habseligkeiten. Vor allem kleine elektronische Geräte, Uhren oder Schmuck können sonst schnell in einer anderen Tasche verschwinden.

Der Umwelt zuliebe sollten Sie auch von einer Umwicklung mit Plastikfolie absehen. Das verhindert zwar recht gut das Verlangen eines Diebstahls, produziert allerdings auch eine riesige Menge an Müll. Stattdessen bieten sich beispielsweise farbige Kofferbänder an – die dann wieder dafür sorgen, dass Ihr Koffer bunt heraussticht. So schließt sich der Kreis!

Wie verhält man sich am besten?

Es kommt allerdings nicht nur auf das Gepäck an – auch Sie werden vor einem Diebstahl gründlich beobachtet. Wer sich deutlich als Tourist zu erkennen gibt, einen besonders wohlhabenden Eindruck macht (durch offensichtlich teure Kleidung oder opulentem Schmuck und Accessoires) oder unachtsam, müde und unkonzentriert wirkt, der outet sich als leichte oder besonders vielversprechende Beute. Wesentlich sinnvoller ist es, genügend Energie für die Reise mitzubringen und weder mit Technologie noch mit Habseligkeiten an offen zugänglichen Plätzen zu hausieren.

Wer Handgepäck und weitere Taschen mit sich trägt, sollte immer einige Grundregeln beachten: nicht auf den Boden und außer Sichtfeld stellen – und wo viel Gedränge ist, am besten seitlich oder gänzlich mit dem Verschluss nach vorne tragen. Wer offensichtliche Anstalten macht, eine Aufmerksamkeit bezüglich seiner Habseligkeiten zu zeigen, wird meist als potenzielle Opfer bereits aussortiert.

Besonderes Interesse besteht an den immer häufigen vorhandenen elektronischen Gerätschaften in unseren Taschen. Seien es Smartphones, Smartwatches, Tablets, Laptops – alles, was großen Wiederverkaufswert besitzt. Hier besteht außerdem noch die Gefahr des Datendiebstahls. Für alle Fälle lohnt es sich, Anti-Diebstahl-Apps zu installieren, um die Geräte sperren oder sogar noch orten zu können, falls sie entwendet werden.

Und die Weiterreise?

Vorsicht hört hier allerdings nicht auf. Die Bahn- oder Flugreise mag zwar erfolgreich hinter sich gebracht worden sein, aber auch der Nahverkehr und Taxis können Risiken bieten. Wer sich auch hier offen als Tourist zu erkennen gibt oder besonders erschöpft wirkt, der kann ins Blickfeld von wenig seriösen Taxifahrern rücken, die sich Ihre Unaufmerksamkeit nach einer langen Reise zugunsten macht.

Viele Flughäfen oder Reiseveranstalter bieten eine umfangreiche Liste an Taxiunternehmen an, die sich über die Jahre einen guten Ruf erworben haben – und es lohnt sich, diesen Erfahrungen zu vertrauen. Alternativ können auch private Flughafentransfers von seriösen Unternehmen gebucht werden, die Sie und Ihr Gepäck sicher, entspannt und dokumentiert ans Ziel bringen. Die meisten unserer Reisen werden immer komplikationsfrei und entspannt ablaufen – aber es schadet nie, ein klein wenig extra Aufmerksamkeit zu investieren.

Foto: ©Yakobchuk Olena / stock adobe

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