Einreise nach Großbritannien – Was beachten?

Seit dem Brexit ist die Einreise nach Großbritannien viel komplizierter als früher. Foto: © sborisov /stock adobe
Seit dem Brexit ist die Einreise nach Großbritannien viel komplizierter als früher. Foto: © sborisov /stock adobe

Die Voraussetzungen für die Einreise nach Großbritannien haben sich mit dem Brexit grundlegend geändert. Dass Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist, wirkt sich dabei nicht nur auf die Dauer der Abfertigung an der Grenze selbst aus.

Auch auf die Frage, welche Dokumente Sie mitführen müssen und worauf Sie bei der Einreise achten sollten. Dass die Anforderung in Sachen Dokumente dabei teilweise strenger ist als beispielsweise für deutsche Staatsangehörige, die in die Türkei einreisen möchten, verwundert durchaus. Dürfte aber auch eine Folge der klaren Abgrenzungspolitik sein, die von den Brexit-Hardlinern in Großbritannien von Anfang an gefahren wurde.

Wer also das europäische Festland verlassen, aber nicht gleich bis nach New York fliegen möchte und deshalb einfach mal einen Wochenendtrip oder eine längere Reise auf die Insel unternehmen will, der sollte sich vorher genau informieren. Die wichtigsten aktuellen Informationen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Einreisebeschränkungen können sich schnell ändern

Dabei sollten Sie allerdings bedenken, dass sich gesetzliche Regelungen in Sachen Einreise- und Zollbestimmung vergleichsweise schnell ändern können. Auch pandemische Lagen und andere unerwartete Ereignisse können einen Einfluss auf mögliche Einreisebeschränkungen kurzfristiger Natur haben. Bevor Sie also Ihre Flüge buchen, sollten Sie sich auf jeden Fall einmal auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes umsehen, ob es aktuelle Entwicklungen zu Großbritannien gibt. Hier finden Sie auch wichtige Informationen zu Themen wie Kriminalität und Sicherheit sowie Klima und Gesundheit.

Nach Austritt aus der EU – Gibt es Einreisebeschränkungen?

Die Briten waren schon in Zeiten ihrer EU-Mitgliedschaft immer etwas besonders – mancher würde auch sagen: eigenartig. Der Linksverkehr in England ist für viele Europäer ebenso gewöhnungsbedürftig, wie es lange Zeit eher eigenartig war, dass es in Großbritannien weiterhin das Pfund und nicht den Euro gab.

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Heute hat sich das Land längst wieder aus der EU verabschiedet – und damit sind auch viele rechtlichen Vereinfachungen für EU-Mitgliedsstaaten entfallen. Das spüren EU-Bürger und Nicht-EU-Bürger, die sich in Deutschland aufhalten und von hier aus nach England reisen möchten, heute ganz besonders.

Das merkt man beispielsweise daran, dass die Zeiten, in denen Sie problemlos mit einem Personalausweis in das United Kingdom einreisen konnten, Geschichte sind. Heute brauchen deutsche Staatsangehörige einen Reisepass, der noch mindestens für die Dauer des geplanten Aufenthalts gültig sein muss. Das gilt sogar für Transitreisende. Allein wenn Sie auf einem Flughafen in London beispielsweise umsteigen müssen und den Flughafenbereich nicht verlassen, brauchen Sie nach wie vor keinen Reisepass, da Sie faktisch nicht ins Land einreisen.

Ein Visum brauchen Sie für einen touristischen Aufenthalt oder einen beruflichen Aufenthalt mit einer Dauer von weniger als 6 Monaten in der Regel nicht. Was nach aktuellem Rechtsstand übrigens gar nicht mehr möglich ist, ist eine Einreise für einen Au-pair-Aufenthalt. Selbst für ein Praktikum müssen Sie vorher ein Visum einholen, und auch dann ist die Genehmigung dieses Visums nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen möglich.

Wie in anderen Ländern auch gab es in Großbritannien eine Liste mit Ländern, für die bei einer Einreise von dort aus besondere Regelungen in Bezug auf den Umgang mit COVID-19 bestanden. Seit dem 1. März 2023 ist diese Liste allerdings leer – aktuell (März 2023) gibt es keinerlei Einschränkungen für die Einreise in Sachen Pandemie. Das kann sich naturgemäß relativ schnell wieder ändern – das haben uns die Erfahrungen der letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt. Auch hier gilt – vor der Buchung einen Blick auf die Seiten des Auswärtigen Amtes werfen, kann vor Enttäuschungen bewahren.

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Wie kann ich in Großbritannien einreisen?

Die Einreise nach Großbritannien ist auf verschiedenen Wegen möglich. Zum einen können Sie natürlich problemlos mit dem Flugzeug ins Vereinigte Königreich einreisen. Flüge nach London beispielsweise gibt es von allen großen Flughäfen Deutschlands und Europas aus. Darüber hinaus werden die folgenden Flughäfen auf der Insel angeflogen:

  • Manchester
  • Birmingham
  • Bristol
  • Newquay

Eine weitere Möglichkeit, Großbritannien anzusteuern, bietet die Einreise per Fähre. Hier gibt es rund zwei Handvoll Fährhäfen mit einer direkten Verbindung über den Ärmelkanal.

Da wären beispielsweise die Routen:

  • Dieppe (Frankreich) – Newhaven
  • Calais (Frankreich) – Dover
  • Dünkirchen (Frankreich) – Dover
  • Cherbourg (Frankreich) – Portsmouth
  • Le Havre (Frankreich) – Portsmouth
  • Rotterdam (Niederlande) – Hull
  • Amsterdam (Niederlande) – Newcastle
  • Santander (Spanien) – Plymouth
  • Santander (Spanien) – Portsmouth
  • Bilbao (Spanien) – Portsmouth

Die Transferzeit liegt hier zwischen 1 und 2 Stunden bei Verbindungen wie beispielsweise Calais – Dover und teilweise bis zu 7 Stunden Fahrzeit wie bei der Verbindung Amsterdam – Newcastle. Je nach Dauer der Fährzeit, nach Reederei und natürlich auch nach Ausgestaltung der Überfahrt können die Kosten einer solchen Überfahrt stark variieren. Wollen Sie beispielsweise Ihr Auto mitnehmen, sind die Kosten natürlich deutlich höher als bei einer reinen Personenüberfahrt.

Die dritte Möglichkeit, nach England zu gelangen, ist der Eurotunnel. Auf Französisch der „Tunnel sous la Manche“ oder im Englischen einfach „Channel Tunnel“ ist der Tunnel selbst ein 50,45 km langer Eisenbahntunnel, der eine Verbindung zwischen Folkestone in der Grafschaft Kent und dem kleinen Städtchen Coquelles in Frankreich zieht. Coquelles liegt nicht weit von Calais entfernt. Für Reisende mit dem Auto ist der Tunnel mit Abstand die schnellste und wahrscheinlich auch die bequemste Reisemöglichkeit.

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Die Fahrt dauert nur 35 Minuten und kann im eigenen Auto auf dem Zug verbracht werden. Natürlich können auf dem Zug auch Motorräder mitgeführt werden.

Fazit

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU hat sich eine Menge geändert. Nicht nur für Wirtschaftsunternehmen, die ihre Waren über die Grenze transportieren lassen möchten. Auch für den einfachen Reisenden – sei es aus beruflichen oder aus privaten Gründen. Dennoch ist die Einreise hier noch immer leichter als in manchen anderen Staat – immerhin ist nach wie vor kein Visum erforderlich.

Einen Reisepass benötigen Sie dennoch – der Personalausweis allein reicht für die Einreise nicht mehr aus. Es gibt einige Ausnahmen von dieser Regelung – die treffen allerdings ohnehin nur für Reisende auf der Fähre oder im Tunnel zu. Denn die Fluggesellschaften verlangen auch von Personen, die eigentlich von Ausnahmeregelungen diesbezüglich betroffen wären, längst einen Reisepass. Sonst kommen Sie in den meisten Fällen gar nicht an Board.

Wer also mal eben für ein Wochenende auf die Insel möchte, um sich beispielsweise ein spannendes Premiere League Spiel anzusehen, sollte auf jeden Fall seinen Reisepass mitnehmen. Und natürlich vorher einen Blick auf die Seiten des Auswärtigen Amtes werfen. Denn gerade in Sachen Sicherheit gibt es dort immer wieder wichtige Informationen, die man sich in Vorbereitung auf eine Einreise nach Großbritannien auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Foto: © sborisov /stock adobe

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Verfasst von Hajo

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater. Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).