Reisen und Produktivität vereinen

Immer mehr Menschen packt das Fernweh und sind sie einmal unterwegs, zieht es sie oft nicht mehr so schnell nach Hause zurück. Der Traum vom jahrelangen Reisen klingt zu schön, um wahr zu sein. Und doch leben ihn viele Menschen und es werden ständig mehr. Unzählige Berufe lassen sich inzwischen nur von einem Laptop aus ausüben und das geht überall, wo man Internet hat. Egal ob selbstständig oder angestellt, die Arbeit von überall aus ist natürlich viel angenehmer. Man teilt sich selbst die Zeit ein, verbindet Arbeit mit Vergnügen und lernt die ganze Welt kennen. Wer mutig, anpassungsfähig und diszipliniert ist, könnte damit einen ganz neuen Lebensstil für sich entdecken. Oder einfach nur einige Monate auf große Reise gehen, ohne dafür vorab große Beträge gespart zu haben.

Unterwegs arbeiten

Für die Arbeit in oder aus anderen Ländern gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eingesetzt werden dabei die eigenen Fähigkeiten, Talente und unter Umständen einfach der erlernte Beruf. Oft geht es aber auch um Muskelkraft, Einsatzfähigkeit und Flexibilität. Auf Reisen zu arbeiten erfordert unter Umständen, von Einsatzort zu Einsatzort zu reisen und die Route danach zu planen, wo gerade Mitarbeiter gebraucht werden. Wer keine festen Ziele vor Augen hat, für den ist diese Art des unterwegs Arbeitens vielleicht ein Vorteil. Sich Ziele und Reisezeiten selbst aussuchen zu können, bedeutet in den meisten Fällen, dass ein Computer-Job nötig ist. Dieser ermöglicht das Arbeiten von beinahe überall aus. Kreative Berufe profitieren dabei meistens sogar von ungewöhnlichen Arbeitsorten.
Es ist also eine persönliche Frage, ob die Arbeit dem Reisen angepasst wird, oder das Reisen der Arbeit. In beiden Fällen ist die Vereinbarkeit gegeben und mit umfassender Planung kann das Konzept auch gut gelingen.

Typische Jobs für Nomaden

Sehr viele Berufe könnten durch etwas Mühe und veränderte Strukturen dem Reisen angepasst werden. Aber bisher gibt es bestimmte Berufsgruppen oder Jobs, die sich typischerweise für unterwegs eignen. Die Vereinbarkeit hat sich bereits bei vielen Menschen bewiesen und man geht mit ihnen vergleichsweise wenig Risiko ein. Natürlich ist immer vorausgesetzt, dass man die für den jeweiligen Job nötigen Fähigkeiten oder Kenntnisse mitbringt.

Kreative Jobs

Mit diesen Berufen ist man unterwegs besonders unabhängig. Man kann Arbeitszeiten ja nach Muse oder Inspiration von außen selbst einteilen. Es gilt aber auch, Aufträge zu bekommen oder die eigenen Arbeiten regelmäßig gewinnbringend zu verkaufen. Daher bieten sie zwar mehr Freiheiten, aber auch mehr Druck und Potenzial, sich ständig zu sorgen. Wer einen kreativen Beruf hat, kann aber am leichtesten selbst entscheiden, von wo aus gearbeitet werden soll und wie diese Arbeit gestaltet wird. Es sind Berufe wie:

  • Fotograf: Vor allem Reisefotografen oder Naturfotografen profitieren von Freiheit.
  • Journalist: Je mehr man in der Welt unterwegs ist, desto mehr gute Storys findet man.
  • Grafik-Designer: Inspiration und Innovation können in bares Geld verwandelt werden.
  • Web-Entwickler: Neue Ideen und kreative Umsetzung heben sich von der Masse ab.
  • Blogger: Gelerntes und Erlebtes wird dem eigenen Leserkreis zur Verfügung gestellt.
  • Influencer: Aktivitäten, Reiseziele und Produkte werden „vermarktet“. Speziell auf Instagram geschieht das lediglich durch Bilder und kurze Videos bzw. Storys, die ein bestimmtes Lebensziel vermitteln. Influencer ist quasi ein Job, der sich aus vielen anderen zusammen setzt. (Fotograf, Blogger, Filmemacher, Marketing-Manager, usw.)

Jobs als Freelancer

Auch als Freelancer hat man in diversen Berufen ein Maximum an Freiheit. Hier richten sich zumindest die Arbeitszeiten jedoch zum Teil nach den Kundenwünschen. Je nach Land muss man dann zusätzlich die Zeitverschiebung beachten. Kunden oder Klienten wünschen oft regelmäßigen Kontakt zu üblichen Geschäftszeiten. Die Umsetzung von Aufträgen und damit der Großteil der Arbeit kann jedoch immer noch selbst eingeteilt werden und ermöglicht viel Freizeit und Reiseaktivität. Als Freelancer lässt es sich arbeiten als:

  • Online-Coach: Als Psychologe oder Pädagoge, aber auch z.B. als Coach für Marketing-Aktivitäten wie beispielsweise für Instagram können ganz verschiedene Angebote vom PC aus gestaltet werden. Ein Musterbeispiel dafür ist Markus Weber mit seinem Projekt instagamechanger.de und der 30 Tsd. Abonnenten-Challange.
  • Übersetzer: Artikel, Fachtexte, Bedienungsanleitungen oder komplette Bücher…
  • Social-Media-Manager: Viele Marken/Firmen suchen Fachleute, die sich komplett um ihre Auftritte in sozialen Medien kümmern, sie aktuell halten und ins beste Licht rücken.
  • Virtueller Assistent: Viele Büroarbeiten können extern erledigt werden. Ein persönlicher Assistent kann von überall aus der Welt Termine managen, Briefe schreiben etc. Diese Art „Sekretär“ ist günstiger, da kein Arbeitsplatz existieren muss.
  • Online-Marketing: Hierbei wird eine Marke umfassend auf dem digitalen Markt positioniert und alle damit zusammen hängenden Vorgänge verwaltet.

Jobs vor Ort

In vielen gelernten Berufen oder mit eigenen Fähigkeiten bzw. Fachwissen lassen sich in anderen Ländern ganz einfach Jobs ergattern. Diese bestehen vielleicht nur für eine Saison oder stehen auf unsicheren Beinen. Aber gerade für Reisende ist es kein Nachteil, nicht lange gebunden zu sein. Reisezeit und -ziel muss sich dann unter Umständen nach den Jobangeboten richten. Diese Art der Arbeit auf Reisen ermöglicht viele neue Erfahrungen im eigenen Beruf und man lernt ständig neue Menschen und Kulturen kennen. Oft und in vielen Ländern gesuchte Berufe sind:

  • Sportlehrer: Vom Skilehrer bis zum Tauchlehrer lassen sich Talente zu Geld machen.
  • Erntehelfer: Jeweils in den Erntezeiten gefragt, jedoch eher gering entlohnt.
  • Au-Pair: Betreuung von Kindern in Haushalten, meist für 1 Jahr am Stück gesucht.
  • Krankenpfleger: Qualifizierte Pflegekräfte werden fast immer und überall gesucht.
  • Reiseführer: Besondere Kenntnisse einer Stadt / eines Landes, lassen sich nutzen.
  • Kellner oder Hotelpage: Servicekräfte verdienen wenig, die Arbeit ist jedoch simpel.
  • Deutschlehrer: Wer Grammatik beherrscht und vermitteln kann, nutzt die Muttersprache.
  • Bauarbeiter: Mit der Muskelkraft Geld verdienen bringt kurzzeitig guten Verdienst.

Work-Life Balance auf Reisen

Wer den Job mit in die Welt nimmt, der hat besondere Ansprüche an den eigenen Alltag. Eine gute Portion Abenteuerlust gehört schon dazu, und natürlich das große Bedürfnis, neue Länder zu sehen und möglichst viel zu erleben. Dabei kann es passieren, dass beim Herumreisen irgendwann die Balance verloren geht. Viele arbeitende Reisende verlieren sich in einem von zwei Extremen: Entweder man erlebt nichts, weil man sich aus Angst vor Geldnot nur noch hinter den Laptop klemmt, oder es geht die Arbeit zwischen all den Eindrücken unter. Mit der richtigen Planung und einem ausgeglichenen Mindset lässt sich aber eine funktionierende Balance finden.

Zeit für den Genuss des Reisens

Angst und Befürchtungen sind ganz normale Begleiter auf Reisen. Man sorgt sich, dass das Geld nicht reicht oder die Aufträge irgendwann ausbleiben. Sorgen motivieren in gewissem Maße auch dazu, sich zu bemühen und produktiv zu sein. Sie sollten jedoch nicht zu viel Macht zugesprochen bekommen und immer in ihre Grenzen verwiesen werden. Wer gut voraus plant und vernünftig kalkuliert, der darf sich unterwegs auch auf die eigenen Pläne und Berechnungen verlassen. Das Vertrauen in die eigene Planung ist wichtig, um den Kopf frei zu haben für die vielen Eindrücke und Erfahrungen. Es bringt nichts, sich abseits der Arbeit Gedanken oder gar Sorgen um diese zu machen. Denn dabei geht der eigentliche Sinn des unterwegs Arbeitens verloren, weil man die Welt nicht wirklich erlebt und wahrnimmt. Ist das tägliche Arbeitspensum erledigt, dann sollte man abschalten und sich gönnen, das Reisen zu genießen!

Überall produktiv sein

Unterwegs zu arbeiten erfordert viel Disziplin und Motivation. Wer im Zielland einen festen Job hat, richtet sich natürlich nach den Arbeitszeiten und Anforderungen der Arbeitsstelle. Wer jedoch vom eigenen Laptop aus arbeitet, muss sich diese Rahmenbedingungen selbst einrichten. Fest Arbeitszeiten sind dabei ein Muss. Es ist wichtig, konsequent eine bestimmte Stundenzahl am Tag nur der Aufgabe des Geldverdienens zu widmen. Ob diese Arbeitsstunden nun am frühen Morgen, am Nachmittag oder gar in der Nacht stattfinden, ist abhängig vom Job (ein virtueller Assistent muss sich zumindest teilweise an übliche Bürozeiten halten) und von der persönlichen produktiven Tageszeit. Die Hauptsache ich nur, sich selbst Regeln und einen Tagesablauf zu schaffen, an den man sich so gut wie möglich hält. Dazu gehört auch, eventuelle Arbeitsausfälle (zum Beispiel auf Grund einer einmaligen Gelegenheit wie einer Veranstaltung) wieder rein zu arbeiten. Man muss sich nur stets vor Augen halten, dass die Arbeitszeit bzw. das damit verdiente Geld die Basis bildet, auf welcher das gesamte Reisen steht.

Tipps zum Arbeiten und Reisen

Erfolgreich arbeiten und reisen sieht zwar für jeden Menschen ganz anders aus und ist ein individuelles Konstrukt, aber es gibt Erfahrungswerte, die jeder nutzen kann. Folgende Ratschläge machen Planung und Umsetzung leichter und erfolgreicher:

Kostenkalkulation

Gute Planung ist schon der halbe Erfolg. Deshalb gilt es, Listen und Aufstellungen zu schreiben, Pläne zu entwerfen und immer wieder mögliche Optionen durchzurechnen. Wie viel Geld muss mindestens monatlich erarbeitet werden? Welche Kosten sind zweitrangig und können ruhen, falls mal weniger erwirtschaftet wird? Wo kann gespart werden (z.B. bei niedrigen Ansprüchen an die Unterkunft) und wo muss definitiv genügend investiert werden (z.B. in schnelles und zuverlässige Internet)?

Keine Selbstüberschätzung

Genügend Geld zu verdienen, gibt das angenehme Gefühl von Sicherheit. Gerade im Ausland ist ein finanzielles Polster extrem beruhigend. Das sollte aber nicht bedeuten, dass man fraglos jeden Job oder jeden Auftrag annimmt. Man sollte sich immer fragen: Würde ich diesen Auftrag auch zu Hause an einem Sonntag annehmen, oder wäre mir meine Freizeit dafür zu schade? Der Sinn des Arbeitens auf Reisen ist nicht, sich eine goldene Nase zu verdienen, sondern das Reisen auch zu erleben. Und das geht nicht, wenn man ständig komplett überarbeitet und ausgepowert ist.

Fremdsprachen

Sehr gute Englischkenntnisse sind in den meisten Ländern Voraussetzung dafür, erfolgreich arbeiten zu können. Auch wer online arbeitet, kommt mit gutem Englisch wesentlich weiter, weil er sich bei Aufträgen nicht auf deutsche Kunden beschränken muss. Weitere Sprachkenntnisse sind von großem Vorteil. Vor allem mit Französisch und Spanisch kommt man in sehr vielen Ländern weiter. Je mehr Fremdsprachen zumindest als Grundkenntnisse gelernt werden, desto problemloser klappt das Leben unterwegs.

Flexibilität und Kreativität

Jobs unterwegs haben viele Vorteile, aber eines sind sie nicht: Übersichtlich und klar geregelt. In jedem Land gelten andere Arbeitsgesetze, Einstellungen und kulturelle Mentalitäten. Da ist es wichtig, dass man eine große Portion Geduld und Anpassungsfähigkeit mitbringt. Man muss sich immer wieder auf andere Bedingungen einrichten und Schwierigkeiten kreativ lösen können. Starke Nerven und eine flexible Einstellung zur Arbeitsgestaltung erhöhen die eigene Produktivität dabei wesentlich.

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